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„Stemple Pass“ von James Benning auf der Berlinale

„Stemple pass“ sei eine skulpturale Arbeit, sagt der Regisseur James Benning. Es scheint, Benning profitiere ausschließlich von der skulpturalen Eigenschaft, eine endgültige Wirklichkeit hinzustellen, als sei sie natürlich.    

Benning zeigt Aufnahmen einer vollen Natur in immer derselben Einstellung – die Natur würde die jeder Kamera geben-, darin ein Nachbau der Einsiedlerhütte des UNA-Bomber Ted Kaczynski. Die Hütte dokumentiert insbesondere, dass der Künstler Benning auch handwerklich was gemacht hat für sein Anliegen. Begleitend zu den Bildern in ihrer natürlichen Gewalt hört man Benning lesen aus Tagebuchaufzeichnungen des Einsiedlers Kaszinsky, an denen nichts falsch sein kann – Rückkehr zur Natur, Jagd mit eigenen Händen – alles geweiht vom Ernst seiner Taten. 

Geweiht von den unsichtbaren – aber belegten – Taten einer zeitgeschichtlichen Figur, die nur in einem sehr vagen Punkte recht hatte: dass etwas in der Gegenwart der westlichen technologisierten Gesellschaften falsch läuft. Kaczynskis Feindbild der Technologie ist potentiell möglicherweise böse, möglicherweise falsch – doch es ist unendlich vielgesichtig gewachsen und kann nicht zu einer fixen Gestalt zusammengefügt werden. Nur Kaszinskys Vita und zerstörerische Lebensleistung dienen immer wieder einmal als magisches Material, um eine ästhetische Gestalt der bösen Technologisierung im Negativguss hervorzubringen. 

Freilich nimmt Bennings Projekt an, dass die Chiffre Kaczynski der Öffentlichkeit entschlüsselt ist, dass der Besucher/Zuschauer dergestalt gedanklich mobil gegenüber dem Film ist, dass Material und Rückseite der „skulpturalen Arbeit“ zugänglich sind. Die Ruhe vor dem Sturm, durch den bewussten Sturm begrenzt und veredelt.

Skulptural also haut Benning aus der vom späteren Morden angereicherten Vita Kaczynskis eine Wirklichkeit, die echt aussieht: die Natur, die Hütte, der Ernst der Lage, das unsichtbare Blutvergießen, die offensive Stille zwischen den gelesenen Passagen. Das ist sehr eindringlich und an dieser Stelle kann erwähnt werden, dass eine Möglichkeit für den Einzelnen, mit unausweichlich daherkommenden Wirklichkeiten umzugehen, darin liegt, sie zu ordnen, indem man ein Urteil bildet. Indem man nicht verwirft, sondern sich verhält zu: – 

 

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