W imię

Adam ist Anfang 40 und Priester in einem polnischen Dorf. Er verliebt sich in den Mittzwanziger
Lukasz. Wer von W imię (In the name of) Kirchenkritik erwartet, wird enttäuscht. Die Kritik
schwingt mit, im Zentrum steht die leise, liebevolle Annäherung der Männer.
Als erstes sehen wir Lukasz in einer bedrückenden Anfangsszene. Sie führt uns in den
melancholischen und angenehmen Grundtenor von W imię ein. Die zweite Stimmlage gesellt sich in
der anschließenden Szene hinzu: Wir sehen Adam beim Joggen in einem Wald.
Adam läuft zwischen dicht stehenden Bäumen. Man sieht den Wald vom moosbedeckten Boden bis
zum Anfang der Baumkronen. Die Kamera fährt in seinem Lauftempo mit, die schmalen schwarzen
Baumstämme flitzen durchs Bild. Zwischen den Bäumen scheint die Morgensonne hervor. Das
Licht taucht den Nebel, der den Boden bedeckt, in ein sattes Gelb. Er bleibt stehen. Das Bild
wechselt zu einer Großaufnahme seines Hinterkopfs. Er wartet ab und wendet dann sein Gesicht in
Richtung der Kamera. Man sieht sein Antlitz leicht von unten. Adam reckt seinen Kopf leicht in die
Höhe und blickt gen Himmel.
Adam und Lukasz baden in einem Teich. Auf dem Rückweg kommen sie an einem Maisfeld am
Waldrand vorbei. Der junge Mann läuft plötzlich los, verschwindet zwischen den Pflanzen. Der
ältere Mann ist zunächst überrascht und folgt ihm dann, zögernd. Es kommt zu einem Versteckspiel.
Die zwei imitieren die Laute von Affen, um sich zu orten. Das Spiel startet zaghaft, als netter
Einfall. Die Durchführung ist konsequent, zielgerichtet.
Erst scheint es, als ob sich der junge Mann versteckt und der ältere ihn sucht. Mit zunehmender
Spiellaune tollen die Männer immer ausgelassener durch ihren Urwald aus Maispflanzen, in
gebückter Haltung, Menschenaffen gleich, Maiskolben verzehrend. Die Kamera versucht, sie zu
fassen bekommen, wechselt die Perspektiven, die Charaktere entgleiten immer wieder der Sicht,
man verliert den Überblick.
Am Ende der Szene aus W imię ist der Priester verschwunden, Lukasz bleibt zurück.
Er blickt, hofft.

(OT: “W imię”, PL 2013, Regie: Małgorzata Szumowska, 102 Minuten)

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