Side Effects: Spiel der Begehrlichkeiten

Jude Law, der ewige sexy Boy mit diabolischen Gesichtsentgleisungen. Catherine-Zeta Jones, die
laszive verführerische Lady in Black mit der verruchten Stimme. Rooney Mara, bekannt als Cyber-
Punk aus Verblendung. Und Channing Tatum, zuletzt als Macho-Stripper mit Herz in Steven Soderberghs
letztem Film Magic Mike zu sehen.
In Soderberghs jüngstem Werk treffen diese sehr unterschiedlichen Schauspieler aufeinander und
entflammen, entfalten und entfächern ein lustvolles Spiel der Begehrlichkeiten.
Side Effects, Soderberghs Beitrag zum Berlinale-Wettbewerb, präsentiert ein Amerika, in dem Antidepressiva
zum Alltag gehören. Die Zaubermittelchen werden wie Schokoriegel beworben und man
quatscht über sie wie über Haushaltstipps. Gleich vier Frauen in Haupt- und Nebenrollen konsumieren
Antidepressiva, hingegen kein einziger Mann.
Zu den vier Damen gehört auch die Hauptfigur Emily, gespielt von Rooney Mara. Der Film beginnt
verheißungsvoll. Die erste Szene zeigt eine Blutspur in einem Appartement, die zu einem Stuhl
führt. Auf dem Stuhl steht das Modell eines Segelbootes, auf dem ein Brief liegt. Es folgt der Zwischentitel
„3 Monate zuvor“ und das Spiel beginnt.
Emily hat Depressionen und nimmt Medikamente. Deswegen hat sie keine Lust auf Sex mit ihrem
Ehemann, obwohl er gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Zur Abwechslung von der gewohnten
Berlinale-Ästhetik sehen wir den Geschlechtsverkehr einmal nicht, sondern hören ihn nur.
Stattdessen offenbart sich uns die hinreißende Zimmerdecke über dem ehelichen Bett in einer längeren
Einstellung ohne Kamerabewegung. Emily hat während des gesamten Akts auf die Decke gestarrt.
Mit einem neuen Medikament ändert sich Emilys Sexualverhalten schlagartig, was der Film zu würdigen
weiß. Endlich sehen wir die junge Frau frontal beim Sex, nach dem Orgasmus stößt sie sich
von ihrem Partner ab und lässt sich aufs Bett fallen. Der Erfinder wird bestimmt ein reicher Mann,
kommentiert der Göttergatte.
Wird er nicht, zeigt uns der Film. Schließlich will die Blutspur vom Filmbeginn gelesen werden. Es
kommt also zu einem Mordfall, den Emilys Psychiater aufklären will. Er glaubt an eine Verschwörung
und steigert sich in seinen Wahn hinein. Bevor der Film in das bekannte Wahrheit-oder-nicht-
Spielchen abdriftet, stellt sich heraus, dass die Verschwörung real ist. Ein Heidenspaß. Unter anderem
knutschen Rooney Mara und Catherine Zeta-Jones wild miteinander rum. Doch die Auflösung
wirkt zu einfach, zunächst frage ich mich, ob die Verschwörung nicht doch reine Illusion ist. Ein
schönes Gedankenspiel, serviert mit ansehnlichen, amüsanten Schauspielern, die sich selbst nicht zu
ernst nehmen. Deren Intrigen bereichern den Plot und führen zu einer raffinierten Entwicklung der
Geschichte. Ein Hollywood-Movie, das sich dank seiner Charaktere und einer originellen, ausgeklügelten
Story (die komplexer ist, als es scheint), im Wettbewerb der Berlinale behaupten kann.

(OT: “Side Effects”, USA 2013, Regie: Steven Soderbergh, 106 Minuten, http://www.sideeffectsmayvary.com/ (zuletzt aufgerufen am 08.04.2013))

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