Something in the way: modernes Großstadtmärchen in Indonesien

Sex, Lies and Videotape. Something in the way erzählt ein modernes Großstadtmärchen in Indonesien.
Obwohl einer der ersten Filme des Regisseurs, ist das Werk in sich geschlossen und man kann es
wunderbar durchanalysieren. Viel Spaß dabei.
Videotape. Ahmad fährt nachts Taxi, den Tag verbringt er zu Hause. Dort laufen nahezu ununterbrochen
Pornofilme auf dem Fernseher, Ahmad konzentriert sich gar nicht mehr richtig auf sie.
Sex. Ahmad lernt Kinar kennen. Sie ist Prostituierte und Ahmad gerät in einen moralischen Zwiespalt,
weil er gläubiger Muslim ist. Ahmad verliebt sich in Kinar. Er kann ihr seine Liebe nur zeigen,
indem er sie verfolgt und ihren Beschützer spielt. Schließlich will er sie von ihrem Zuhälter
freikaufen, was in einem Eklat endet.
Es gibt im Film eine einzige längere Dialogszene zwischen dem Paar. Sie sitzen an einem Tisch in
Kinars Wohnung und lernen sich kennen. Weder Kamera noch Schnitt unterbrechen die spannungsgeladene
Situation. Durch die filmische Pause können die Protagonisten deutlich ihre Persönlichkeiten
hervortreten lassen. Die Frau ist jedoch filmisch privilegiert. Im Gegensatz zum Mann sieht man
sie von Kopf bis Taille, sie kann in ausladenden Bewegungen mit ihrer Zigarette spielen. Ihre
Blickachse schneidet sich fast mit der des Zuschauers. Im Vordergrund sieht man Ahmads abgeschnittenes
und leicht verschwommenes Profil. Er wirkt wie ein Geist, in der Szene wird aber die
Schönheit der Prinzessin gepriesen. Ahmad ist unfähig, mit Kinar zu kommunizieren. Er versteht
unter Kennenlernen das Finden eines Ehepartners, Kinar ist westlich aufgeklärt und hat nichts gegen
eine Affäre.
Lies. Kurze Zeit nach dem Gespräch findet Kinar Ahmads Pornos und sie schauen einen der Filme.
Ahmad ist die Situation unangenehm, doch für die Prostituierte Kinar ist Sex nichts ungewöhnliches
und sie verführt Ahmad. Im Gegensatz zur Dialogszene ist das Bild auf Ahmad fokussiert. Er hat
seinen Höhepunkt, dieser ist zur Abwechslung nicht lautstark und lustvoll inszeniert und der Film
interessiert sich auch nicht für das vor Genuss verzerrte Gesicht der Hauptdarstellerin. Nach dem
Sex kommt Kinar wieder ins Bild, die Lüge offenbart sich: Kinars wahrer Name ist Santi.
Kinar und Santi. Die zwei Namen stehen für zwei Identitäten im modernen Indonesien. Im Film
wird nicht ausgeblendet, dass Kinars sexuell freizügiges Leben im Kontrast zu Santis Biografie
steht. Kinar ist Prostituierte, um Santis Sohn ernähren zu können, der bei seiner Großmutter auf
dem Land aufwächst. Die letzte Einstellung des Films zeigt die identitären Unterschiede. Ist der
Film zuvor noch in seine Prinzessin verliebt und zeigt ihr Gesicht in Großaufnahmen, zeichnet sich
hier eine Veränderung ab. Wir kennen Kinars Schlafzimmerblick, ihr Make Up, ihre Haare, ihre Zigarette,
ihre unterkühlt laszive Art. Jetzt ist sie als Santi im Straßenverkehr der Großstadt kaum zu
erkennen. Auf dem Weg zu ihrem Sohn huscht sie durchs Bild, wendet uns den Rücken zu, wirkt
unauffällig und brav.

 

(OT: “Something in the way”, ID 2013, Regie: Teddy Soeriaatmadja, 89 Minuten)

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