რევოლუციის ოცნება

„Ein Mops kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei

da nahm der Koch die Kelle und schlug den Mops zu Brei.

Da kamen viele Möpse und gruben ihm ein Grab

und setzten drauf nen Grabstein auf dem geschrieben stand:

Ein Mops kam in die Küche und stahl dem Koch… usw. usf.“

Die Mops-zu-Brei-haften Zustände im prä-/post- oder immernochsowjetischen Georgien sind die Triebfedern im Debütfilm des Regisseurs Zaza Rusadze, Chemi sabnis naketsi. Rusadze kehrte nach vieljährigem Studium an der HFF „Konrad Wolf“ in seine georgische Heimat zurück, um dort das zu schaffen, was Filmer sinngemäß in ihrer Heimat produzieren – einen Heimatfilm. Dimitrij und Andreij, zwei junge Männer aus der Oberschicht, versinnbildlichen dabei die beiden Möglichkeiten, aus dem uniformen hochprovinziellen Wahnsinn des Immerselben auszubrechen: Eskapismus und Revolte. Während sich Dimitrij in traumhaft schöne Birkenwälder, birkenwaldschöne Träume und Extremsport flüchtet, wagt Andreij die Revolution und vertraut dabei ganz auf alkoholischen Beistand bei der Realitätsbewältigung. Nun ist das, wie die Geschichte zeigt, bei weitem der gefährlichere Weg mit den brutaleren Konsequenzen – Todesstrafe und Kater[1]. Da hat Dimitrij, der schon in London war und trotzdem heimkehrte, der Eskapist in eng geschnittener Garderobe, weitaus weniger zu befürchten. Während Dimitrij in Gedanken ein paar bunte Schnörkel auf das Mopsgrab malt, erschlägt Andeij kurzerhand den Koch.

Das zentnerschwer symbolbeladene Szenario lädt – vielleicht etwas zaunpfahlig (ausgestopfte Tiere, Vexierbilder, Kinometaphern, eine platonische Höhle) – dazu ein, sozio-kulturelle mediale Reproduktionen zu reflektieren. Wie können wir damit umgehen, immer wieder das Gleiche erzählt und gezeigt zu bekommen, täglich den massenmedialen Immerwiedergeburten beiwohnen zu müssen, die beispielsweise das Kino hervorbringt?

Verändert und träumt!, ruft Rusadze den Berlinale-Zuschauern zu. Und wenn es nur im Kino ist.

 Der junge Regisseur beharrt auf der Differenz zwischen Kino und Realität, sieht eben darin das Potential des Mediums. Er träumt von einer Renaissance der kinematographischen Traummaschine, die da irgendwo mega angerostet und vollkommen verstaubt in den Kellern der Filmgeschichte schlummern muss. Er will, frustriert von der Uniformität des zeitgenössischen Kinos,  mit Andreijs und Dimitrijs Techniken die Mops-zu-Brei-Kette sprengen, und das bloß nicht indem man dem armen hungrigen Mops den Breiverzehr verbietet. Träumt! Bemalt die Gräber und erdichtet neue Inschriften! Phantasiert! Gebt dem Mops auch eine Kelle!

OT: “Chemi sabnis naketsi“ (A Fold in my Blanket), GEO 2013, Regie: Zaza Rusadze, 73 Minuten


[1] In Andreijs Fall sollte man vielleicht vom тигр (Tigr) sprechen, dem russischen Superlativ von „Kater“.

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