Der Blick aus dem vergitterten Fenster.

Nicht nur das Glas trennt uns von der Außenwelt, auch die Gitterstäbe stehen zwischen uns und der Welt. Das Meer ist zu sehen, ein Strand, Sträucher, eine kleine Straße. Der Himmel ist bedeckt, ein grauer Schleier liegt über ihm und dem Wasser. Ein Auto fährt von rechts in das Bild. Ein Mann steigt aus, das Auto fährt wieder ab. Der Mann (Kamboziya Partovi) betritt das Haus, zieht die Vorhänge vor das Fenster und lässt seinen Hund aus einer Reisetasche. Nun trennen uns nicht nur Gitterstäbe von der Außenwelt, sondern wir verlieren den Blick auf sie. Der Mann sitzt in seinem eigenen Gefängnis oder ist er hier vielleicht freier als in der Welt da draußen? Er ist Schriftsteller und versteckt sich in dem Ferienhaus vor der Polizei. Seinen Hund hat er als einzigen Kameraden bei sich. Auch dieser versteckt sich, da im Iran Hunde als besonders unrein gelten und deshalb getötet werden. Zu den Beiden stößt eine Frau, auch sie versteckt sich. Es herrscht Misstrauen, jedoch ­versuchen sie sich mit der Situation zu arrangieren. Plötzlich wird der Vorhang heruntergerissen. Die vermeintliche Realität bricht. Die Poster an der Wand, von Filmen Panahis, kehren sich um, sie sind zu erkennen. Wir sind auf der anderen Seite des Films, des Spiegels, der Film-
ebene. Panahi betritt sein eigenes Haus.
Die Vorhänge werden geöffnet und sogar das Glas eingeschlagen. Dringt die äußere Welt nun nach innen? Ist die Freiheit in die Gefangenschaft gedrungen oder sind wir auch draußen nur Gefangene? Was ist Realität und was Fiktion? Jafar Panahi und Kamboziya Partovi beide schreiben – im Film, an diesem Film. Sie sind gefangen in ihrer Welt, müssen sich verstecken, können nicht frei arbeiten und tun es nichtsdestotrotz. Am Ende sehen wir wieder durch das Gitterfenster das Meer. An der Straße steht der Mann mit seinem Hund. Diesmal ist der Hund frei. Ein Auto fährt an ihnen vorbei. Es kommt zurück, nimmt sie mit und verlässt auf der gleichen Seite, wie zu Beginn das Bild. Der Himmel ist noch immer grau, jedoch lässt sich ein Sonnenstrahl erahnen.

OT: „Pardé“. Regie: Jafar Panahi, Kamboziya Partovi. Iran 2013, 106 Minuten.

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