Frances Ha – Das unbestimmte Gefühl beim Verlassen des Kinos

Das Kino verlassend, ein unbestimmtes Gefühl in sich tragend: Das schwanken zwischen positiv und negativ; ist der Film gut oder schlecht – die Tatsache, ob pauschal über Filme als gut bzw. schlecht geurteilt werden kann, einmal außer Acht gelassen. Die Szene war lustig, eine andere traurig, der in einer Einstellung eingefangene Moment perfekt – oder irgendwie doch nicht.
Frances Ha ist so ein Film. In diesem „leichtfüßigen Film“ (ANKE LEWEKE in der Zeit) sehen wir Greta Gerwig dabei zu, wie sie durch ihr Leben tanzt. Doch ihre klobigen Schuhe und der um die Hüften gebundene Pullover stören die Leichtigkeit. Gerade dieser Pullover kann als Symbol für den ganzen Film gesehen werden. Dieses Frances Ha so locker auf der Hüfte sitzende Stück Stoff, dass einen großen Teil ihres Körpers und ihres leichten Sommerkleides bedeckt. Soll es lässig wirken, unbedacht, frei – aber wer trägt denn noch ein Kleidungsstück so an den Körper geknotet und dann noch dazu im Tanz? Er beschwert, er zieht nach unten, macht das ganze zu gewollt (und eben nicht erreicht) lässig um nicht zu sagen hip. Die Tatsache allein, dass alles in einer gestochen scharfen schwarz-weiß Ästhetik präsentiert wird, in der sogar der Pickel (die „Akne“) von Frances Ha zu sehen ist, macht den Film auch nicht „hip“. Und da wären wir wieder bei dem vielbesprochenen, vieldiskutierten Thema des Hipsters im Allgemeinen, und dessen Reflexion via Medien – auf das ich mich hier nicht einlassen will. Ein Hipster-Film also? Ich würde sagen nein. Ein Film der gerne so wäre, der „so tut als ob“. So wie der schwere Pullover den leichtfüßigen Tanz behindert und das leichte Sommerkleid verdeckt, liegt irgendetwas über diesem Film, das ihn beschwert, beengt. Das Kino verlassend wird gerätselt, was diese drückende Stimmung in uns verursacht hat und dazu führt, dass wir mit schweren Schritten langsam in die Nacht hinaus gehen. Neben uns tanzt leichtfüßig ein anderer Kinogast vorbei – war es vielleicht doch ein guter Film?

OT: Frances Ha, Regie: Noah Baumbach, USA 2012, 86 Min.

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