The Midnight After

The midnight afterFruit Chans Verfilmung des Bestsellers „Lost on a Minibus from Mongkok to Taipo“ ist Trash vom Allerfeinsten. Und das ist auch genau das Problem. THE MIDNIGHT AFTER ist genretechnisch eigentlich ein Horrorfilm, verkommt aber mit zunehmender Laufzeit zu einer Parodie des gesamten Genres. Chans Protagonisten besteigen im lebhaften Stadtteil Mongkok in Hongkong einen Minibus, der sie nach Tai Po bringen soll. Als sie aber durch einen Tunnel fahren, gibt es plötzlich auf der anderen Seite keine Menschen mehr, Gebäude stehen leer. Elektronische Geräte wie Handys oder Computer funktionieren aber noch. Leider ist am anderen Ende der Leitung niemand zu erreichen. So entwickelt sich eine Geschichte, die nicht nur viele Tote inklusive abstruser Todesarten fordert, sondern auch keine Auflösung für die mysteriösen Umstände anzubieten weiß. Alle Hinweise auf des Rätsels Lösung wie z.B. der David-Bowie-Song „Major Tom“ werden dem Zuschauer einfach vor die Füße geworfen, ohne einen inhaltlichen Sinnzusammenhang erkennen zu lassen. Zudem wirken diese Szenen stark gestellt. „Oh, schau da, könnte das nicht ein Hinweis sein?“ „Ja, stimmt, lass mal sehen.“ Die meisten dieser Zeichen werden mittels modernster Technik entschlüsselt. Eine fremde Sprache mit Google Translate. Ein Morsecode mit einem Computerprogramm. Ein Glück, wenn wenigstens die Technik noch bei der Apokalypse funktioniert.

Es ist nicht verwunderlich, dass der Film am Ende überhaupt keinen Sinn ergibt. Chan mischt so ziemlich alles in einen Topf, was nur geht. Junkies, Blutregen, Männer mit Gasmasken, Mondlandung, Reaktor-Katastrophe in Fukushima, spontane Selbstentzündungen – all das wird uns präsentiert – plötzlich sind sechs Jahre vergangen – all das – plötzlich klingelt das Telefon – all das präsentiert uns Chan ohne eine verständliche Verkettung der Umstände zu liefern. Man erwartet einen tieferen Sinn, irgendwas, das einen noch halbwegs bei der Stange hält, aber es gibt keinen. Der Film ist ein Mysterium, und zwar keines von der guten Sorte. The Midnight After wirkt wie das Projekt eines Filmstudenten. Als hätte der Dozent gesagt: „Macht mal einen Film über eine leere Stadt.“ Erschreckenderweise ist das aber bereits der 16. Film von Fruit Chan, Kurzfilme eingeschlossen. Die Geschichte wird in die Länge gezogen, was der Handlung nicht guttut. Es gibt kein plausibles Ende, nicht mal so eins wie bei LOST.

Die Autorin verfasst regelmäßig Filmkritiken unter http://www.filmkompass.wordpress.com.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s