2015: revisiting 1998: revisiting 1980: Last days of disco. Eine Empfehlung

„Last Days of Disco“ ist eine 90er-Komödie. Natürlich, der Film hat diese Missgeschicke, er hat etwas von „Clueless“, von „Sabrina – total verhext“ – doch seine Sitcom-Dialoge laufen ins nichts. Oder vielmehr: sie laufen in seltsam stille Bilder sehr gut gekleideter Menschen aus. „Last Days of Disco“ ist mindestens so ernst wie ein Instagram-Account und Instagram ist für die eine Menge Leute äußerst ernst.

#TBT. Wie fühlte es sich an, 1998 einen Film zu machen, einen Film zu sehen, der an den Anfang der 80er Jahre versetzt? Regisseur Walt Whitman erzählt aus dem Leben einer Clique junger Berufseinsteiger in New York, die ihre Nächte in der Disco verbringen. Chloe Sevigny und Kate Beckinsale tanzen in schwarzen Kleidern schulterfrei und halb-synchron zwischen sich tummelnden Tänzern und Lichtern. #OOTD. Jeder Frame könnte ein Foto sein. Whitman will nicht von einer Disco erzählen, sondern von der Disco. Whitman treibt das Konzept Disco um: mit der Nüchternheit und Filmtechnik der 90er aller medialer Nostalgie, aller 70er-Farbigkeit, entkleidet; durch die Yuppie-Kleidung, die 80er und 90er dominierte (und die heute wieder ein Revival feiert) von aller ästhetischen Abhängigkeit, von aller Lächerlichkeit befreit. Das Konzept Disco: Disco als Lebenseinstellung strebte danach, Bewegungen zu schaffen, die man in jedem Augenblick einfrieren könnte und erhielte ein gutes Bild.

#FROMWHEREITSTAND. Menschliche Bewegung und Bild, Act/Perform: „Last Days of Disco“ handelt von der Gegenwart: Welches Konzept von Gegenwart können wir haben in der Gegenwart all der Bilder aus all diesen Jahrzehnten und aus all diesen Smartphones, all der Styles, all der Enthauptungen – Handlung und Performance scheinen hier ja eine Art Perpetuum Mobile des Grauens zu bilden? Welches Konzept von Gegenwart können wir haben angesichts all der Authentizität und all der Fakes – angesichts der Gegenwart unseres einzigen Lebens?

Werden die Outfitposts von heute nicht morgen lächerlich sein? Zwei finden sich am Ende des Films als Paar, Chloe Sevigny und derjenige, in den sie verliebt ist. Dieser junge Typ sagt, nachdem die Gruppe erfahren hat, dass es ihre Disco nicht mehr gibt: „man wird darüber herziehen und lachen oder, was noch schlimmer wäre, (Disco) völlig ignorieren. Man wird wohl über John Travolta und Olivia Newton-John lachen, über weiße Synthetik-Anzüge, Plateau-Schuhe und Posen wie diese. (macht eine Discopose).“  Die Kamera schwenkt auf seine Clique (ohne Chloe): #CLASSIC #CLEANCHIC – genau so sieht es aus, Kate Beckinsale und die Jungs mit #JTTHAIRCUT. Jeder Frame könnte ein Foto sein. Viele Frames sind ein Feed.

Viele Frames sind ein Film. Die Gegenwart ist ein Schnitt durch den Fluß der Zeit, die Gegenwart ist eine Pose: und sie ist noch etwas anderes. Das hier:

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