Überaus überzeugende Übersetzung – Der große Gatsby

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Pennyless pantywaist!

hasst der Begleiter Jordan Bakers dem sie zum Tanze bittenden Nick Carraway (Tobey Maguire) entgegen, das rechteckige Gesicht zur Faust geballt.

Es ist die erste der Jahrhundertpartys im Prachthause Jay Gatsbys auf Long Island, die sein kürzlich zugezogener Nachbar Nick Carraway besucht, in Baz Luhrmanns Der große Gatsby ein nachdenklicher, passiver Junggeselle. Genau! Verpiss dich endlich!, möchte man als Zuschauer in einem bösen Moment aus dem Hintergrund beipflichten, schon nach einer halben Stunde erschöpft vom ewig langweiligen, immermatten Ausdruck Maguires, der stets matt irgendwen anlächelt, matt Gatsby bewundert,  matt durch den trüben Garten schleicht. Das kulminiert schließlich auf einem Steg vor Gatsbys Haus in einer Großaufnahme seines sanft-melancholischen, wirklich kräftezehrenden Gesichts, unter dem ein Schal mit letzter Kraft um den Hals geworfen ist; mit matt glänzenden Augen blickt Nick Carraway über die Tragik des Lebens sinnierend in die nächtlich raue Ferne.

Dem ist selbst der ganze Maguire umgebende, krachbunte und -laute Roaring-Twentiees-Irrsinn Luhrmanns nie gewachsen. Peter Parker ist zurück, kraftloser als je zuvor.

Daher der einzige befreiende Moment im Film: die gelungene deutsche Übersetzung der Beleidigung durch den brauseköpfigen Baker-Begleiter. Die herausragende Herabwürdigung fehlt in Scott Fitzgeralds zugrundeliegendem Roman, das immerhin hat der Film dem Buch voraus:

Mittelloses Milchgesicht!

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OT: The Great Gatsby. Regie: Baz Luhrmann, USA 2013, 142 Minuten.

Übrigens hier ein fantastisches Feature über Beleidigungen, thematisiert unter anderem die Frage, ob denn Alliteration den Beschimpfungen Kraft verleihen oder rauben.

Das Leben ist eine einzige Party.

Solch eine abgedroschene Lebensweisheit sollte sich nicht unbedingt zu Herzen genommen werden, Baz Luhrmann tut dies jedoch in seinem neuen Film: Der Große Gatsby. Mit der Weisheit: Weniger ist mehr, nimmt er es jedoch nicht so genau. Der Film glitzert, schillert, leuchtet; farbenfroh, laut, gewaltig und in 3D. Und auch wenn er nur zweidimensional gesehen wird, fallen die vielen, extra für die moderne 3D-Technik gestalteten Bilder auf. Der Vor- und Abspann, die sich auf einen zubewegenden, wegschwebenden Rechtecke, der Blick an Leonardo DiCaprio vorbei auf die überzeichnete, digital erzeugte, künstliche Bucht, die fallenden Hemden, das glitzernde Konfetti. Und nicht nur die Kulisse ist künstlich überzeichnet, auch bei den Kostümen und Darstellern wurde sich viel Mühe gegeben, alles natürliche in den Hintergrund zu drängen. Die Tatsache, dass Carey Mulligan vor lauter Tiffany-Diamanten selbst fast nichtmehr zum strahlen kommt ist hier nur ein Nebeneffekt.

gatsby© WARNER BROS

Nicht nur die Juwelier-Kette verdient gut an dem opulenten Aufgebot, auch Prada, Miu Miu oder Jay-Z haben mitgemischt. Und so ergibt sich ein fulminantes, bis zum Ende vollgepacktes Werk, von dem der Zuschauer in den Kinositz gedrückt wird. Staunend und sprachlos – ob mit positiven oder negativen Gedanken, muss jeder für sich selbst entscheiden.

OT: The Great Gatsby. Regie: Baz Luhrmann. USA 2013,  142 min.